openSUSE Leap 15.6 im Test

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Das openSUSE Projekt hat die neueste Version von openSUSE Leap 15.6 veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die letzte derzeit geplante Version von Leap 15. Was diese spezielles im Gepäck hat, wieso es vielleicht sogar ein tolles Abschlussfeuerwerk ist und was die Zukunft für Leap Nutzer bringt, darum gehts jetzt. Viel Spaß

Eckpunkte über die Distro

Das Projekt openSUSE bietet heutzutage verschiedene Ausgaben für verschiedene Anwendungszwecke an. Der Leap Zweig basierte auf dem stabilen SUSE Linux Enterprise Zweig und folgt bis heute dessen Produktversionen. Leap 15.6 basiert demnach auf SLE 15.6. Der openSUSE Leap Zweig wird vor allem bei LTS Nutzern, die eine möglichst lange unterstützte und stabile Version suchen, geschätzt und bevorzugt. 

Mit openSUSE Leap 15.6 ist aktuell die letzte geplante Ausgabe verfügbar. Denn bei SUSE wird die SLE Produktlösung von ALP abgelöst. ALP steht als Abkürzung fr Adaptable Linux Plattform und wird ein völlig neuer Aufbau für das geschätzte Linux Server Betriebssystem. Für Leap heißt das, dass die bisherige Basis wegfällt und für das Jahr 2025 große Änderungen bevorstehen.

Nun kommen mit großen Veränderungen auch große Risiken, machen wir uns nichts vor. Für SLE wurde bereits eine Version 15.7 angekündigt. Die openSUSE Entwickler haben auch bereits mitgeteilt, dass man im Falle von Verzögerungen oder Komplikationen auf dem Migrationsweg von SLE auf ALP eine Version Leap 15.7 als Zwischenversion, zumindest als Option auf dem Tisch liegt. Die Botschaft ist, dass man die Basis von Leap Nutzern keinesfalls ohne Support dastehen lassen will. Wenn es zu Verzögerungen kommt, könnte also Leap 15.7 noch kommen. 

Nach aktuellem Planungsstand wird openSUSE Leap 15.6 mindestens bis Dezember 2025 unterstützt. Wer also im Sommer 2024 auf Leap 15.6 umsteigt, hat also noch knapp 1,5 Jahre Zeit zu Beobachten, wie es weitergeht. Das betrifft jetzt einerseits die, die evtl auf openSUSE Leap umsteigen aber vielmehr die, die jetzt Leap 15.5 einsetzen und wo das Upgrade ansteht.

Mindestanforderungen:

  • 2 GHz Dual-Core-Prozessor oder besser
  • 2GB physikalischer RAM + zusätzlicher Arbeitsspeicher für Arbeitslast = 4GB oder mehr
  • Mehr als 40GB freier Festplattenspeicher
  • Entweder ein DVD-Laufwerk oder ein USB-Port für das Installationsmedium
  • Ein Internetzugang ist hilfreich und wird für den Netzwerk-Installer benötigt

Alle Details hier.

openSUSE Leap ist der Zweig mit statischer Version, also der LTS Zweig.

Wie bei früheren Versionen wird openSUSE Leap 15.6 auf 64-Bit-Desktops, PowerPC (ppc64le)-Servern, UEFI ARM 64-Bit (AArch64)-Desktops, Laptops, SBCs und Servern sowie IBM System z- und LinuxONE (s390x)-Servern unterstützt. Für diejenigen, die openSUSE Leap virtualisieren möchten, stehen auch Images für virtuelle Maschinen zum Download bereit. Anhand Eurer Architektur könnt Ihr dann ein Offline oder Network Image herunterladen.

Zielgruppe

Die Zielgruppe von openSUSE Leap sind Anwender, die ein stabiles und zuverlässiges System benötigen. Obwohl nicht immer die neuesten Pakete verfügbar sind, profitieren Nutzer von der Expertise und Stabilität von SUSE Linux Enterprise. Der Fokus liegt auf höchstmöglicher Stabilität und Langzeitpflege. Bei Leap 15.5 zeigte sich jedoch, dass nicht alle Desktop-Umgebungen gleichermaßen aktualisiert wurden. Während KDE-Anwender bedenkenlos zugreifen können, sollten GNOME- oder Cinnamon-Nutzer möglicherweise andere Optionen in Betracht ziehen.

Was ist neu?

openSUSE Leap 15.6 bietet viele Verbesserungen und neue Funktionen:

  • Cockpit-Integration
  • Podman 4.8
  • Aktualisierte Kernkomponenten wie Kernel 6.4 und OpenSSL 3.1
  • MariaDB 10.11.6 und PostgreSQL 16
  • KDE Plasma 5.27.11
  • GNOME 45.3
  • Xen und KVM: Aktualisierte Versionen für bessere Stabilität und Leistung.
  • Unterstützung für mehrere Architekturen

Diese Version wird bis Dezember 2025 unterstützt, was langfristige Stabilität bietet.

Zusätzlich bringt Leap 15.6 viele aktualisierte Pakete und verbesserte Sicherheitsfunktionen, um den Anforderungen moderner IT-Infrastrukturen gerecht zu werden. 

Inbetriebnahme

Inbetriebnahme / Download

Wenn Du openSUSE ausprobieren möchtest, ist das ganz einfach. Lade das ISO-Abbild von der openSUSE-Website herunter. Gehe auf die Seite, klicke auf “Leap installieren” und dann auf “Download”. Wähle die passende Architektur, meist x86_64 oder aarch64. Du hast die Wahl zwischen Offline Image und Network Image. Das Offline Image dauert länger beim Herunterladen, geht aber schneller zu installieren. Prüfe nach dem Download die Integrität der Datei mittels Checksumme.

Inbetriebnahme / Installation

Die Installation von openSUSE hat sich über die letzten 20 Jahre kaum verändert, der Installer ist zuverlässig und modernisiert. Für detaillierte Anweisungen siehe meinen Beitrag zur openSUSE-Installation in der Serie “Wechsel zu Linux”. Jetzt starten wir direkt mit dem Test.

Performance, Desktop & Apps

Systemvermessung

Mein System mit Gnome Shell belegte 6,3 GB von der Platte. Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum liegt bei 1,4 GB RAM. Das System hatte 2216 RPM Pakete vorinstalliert. 

Desktop Oberfläche und Konzept

Zum Zeitpunkt der Beitragserstellung wurde Gnome Shell 45.3 angeboten. 

Wer lieber KDE Plasma einsetzt, wird von Plasma 5.27.11 begrüßt. Leider schaffte es die neueste Plasma 6 Version nicht in diese Ausgabe. 

Bei openSUSE wird Gnome lediglich ein eigenes Hintergrundbild spendiert. Mehr nicht. Keine Anpassungen oder dergleichen. In meinen Augen ein strafbarer Leichtsinn. Wer eine Desktop Distro sein möchte und keinen universellen Anspruch erhebt, sollte mehr liefern. Diejenigen mit entsprechenden Linux Kenntnissen werden den Desktop so oder so nach eigenen Vorstellungen anpassen. Doch Neueinsteiger würde man unter openSUSE mit Gnome so in ein gedämpftes Nutzererlebnis entlassen. 

Softwareauswahl (Anzahl Apps, Software Stack)

  • Kernel: 6.4
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: Gnome Evolution
  • Büropaket: LibreOffice
  • Software-Container: Flatpak

Die vorausgewählte Selektion an Apps ist verbesserungswürdig. Vorinstalliert werden z,B. einige Spiele, TigerVNC, Xterm oder Transmission. Wer braucht das? Keiner! Diesen Ballast könnte man einsparen und niemanden würde das schmerzen. 

Was mir auch missfällt ist, dass man zwar einerseits Flatpak vorinstalliert aber Flathub nicht als Paketquelle vorkonfiguriert. Was bitte soll das? Dann entweder Flatpak weglassen oder es richtig für den Desktop Einsatz vorkonfigurieren. So ist es nur Murks. 

Was mir gut gefällt ist, dass openSUSE auch Leap mit der neuen LibreOffice Version versorgt. Derzeit wird 24.2.1.2 angeboten. Einwandfrei! 

Abschließende Gedanken

Mit Leap 15.6 sind wir nach aktuellen Stand am Ende der Fahnenstange von Leap 15 angekommen. Wie gesagt, könnte Leap 15.7 noch erscheinen, wenn auf dem Weg hin zu ALP noch Probleme oder Verzögerungen aufkommen. SLE 15.7 ist als Servicepack auf alle Fälle schon angekündigt worden von SUSE. Dennoch schwingt ein kleiner Beigeschmack mit. Wie wird es weitergehen? Wie wird Leap 16 überhaupt? Und kann man dann als Leap 15 Nutzer einfach auf Leap 16 wechseln? Einfach heißt dann auch wirklich einfach. Denn es ist ja keine neue SLE Basis, sondern ein komplett neuer Unterbau. Viele Fragezeichen! 

Wer Leap 15.5 derzeit verwendet, kann mit guten Gewissen auf die neueste Version wechseln. Ob man einen Wechsel zu openSUSE Leap zum aktuellen Zeitpunkt empfehlen kann? Da wäre ich vorsichtig. Da muss es bei Leap schon etwas ganz spezielles geben, was den Wechsel rechtfertigt. Da fiel mir nur als Alleinstellungsmerkmal Yast ein. Aber gleichzeitig fällt mir kein Grund ein, wieso man wegen Yast von einer anderen Distro auf Leap wechseln sollte. 

Fazit

Support für Leap und Leap 15.6 ist bis Dezember 2025 gegeben, das ist gut. Für Gnome Nutzer ist Leap 15.6 de facto eine gute Version, die eine ziemlich neue Gnome Shell Version für den LTS Zweig ausliefert. KDE Nutzer bleiben auf dem LTS Zweig von Plasma 5.27. Das ist schade, zumal openSUSE eine traditionelle KDE Distro ist. 

Die Cockpit Integration ist nett, für den Desktop aber sicher ehr sekundär. Selbes gilt für Container und Virtualisierung. Bleibt unterm Strich eine angemessene Modernisierung der Paketbasis, von der Gnome Nutzer besonders profitieren und KDE Nutzer mehr oder minder in die Röhre schauen.

Ich würde mit dem Upgrade noch ein paar Wochen warten. Ganz einfach um evtl noch zu findende Probleme nicht mitzunehmen beim Upgrade. 

Wie siehts bei Euch aus? Die openSUSE Leap Nutzer von Euch, wann wechselt Ihr auf Leap 15.6? Hand aufs Herz, wenn Du jetzt eine beliebige andere Distro oder Windows nutzt, hat Dich Leap 15.6 neugierig gemacht, sodass Du den Umstieg planst? Ich bin gespannt ob da sich jemand meldet. Schreibt Eure Gedanken gerne in die Kommentare rein. Ich bin gespannt.

Ich, der mit SUSE Linux im Jahr 2003 zu Linux umstieg bin froh, dass es openSUSE gibt. Doch sehe ich die Entwicklung etwas mit Sorge. Die Umstellung auf ALP wird aufwendig und Ressourcen kosten. Gleichzeitig stampft man aber immer mehr Ausgaben aus dem Boden bei openSUSE. Leap, Tumbleweed, Leap Micro und MicroOS. Dann haben die einzelnen Desktop Ausgaben auch noch Codenamen, das machts nicht leicht den Überblick zu behalten. Ich hoffe openSUSE behält Kurs und kann den Umstieg mit Leap 16 als Erfolgsgesichte schreiben.

Eine Antwort zu „openSUSE Leap 15.6 im Test“

  1. Reinhard R

    Wohl zu schnell gehandelt.
    Installation reibungslos und Einrichtung gut.
    Leider nur, wie schon beschrieben, eine begrenzte Auswahl an Paketen.
    Z.B. nutze ich auf dem anderen PC (Dort mit Version 155) und auch auf Tablet und Smartphone Vivaldi als Browser, fehlt bisher.
    Ansonsten zufrieden.

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