Kritische Software, kein Budget – Europas Open Source Problem

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GitHub spricht sich in einem neuen Bericht für einen europaweiten Technologie-Fonds aus. Ziel ist es, kritische Open Source Software langfristig zu finanzieren und zu sichern. Denn viele zentrale digitale Werkzeuge entstehen in ehrenamtlicher Arbeit und bleiben unterfinanziert.

Laut GitHub enthalten rund 96 Prozent aller Softwareprojekte offenen Quellcode. Der wirtschaftliche Wert dieser Software wird weltweit auf rund 8,8 Billionen Dollar geschätzt. Dennoch erhalten viele dieser Projekte kaum Unterstützung. Zahlreiche zentrale Bausteine moderner IT werden oft nur von einer einzelnen Person gepflegt.

Die Abhängigkeit von ungesicherten Open Source Projekten birgt Risiken. Entwickler können ausbrennen, Projekte aufgeben oder durch Angriffe kompromittiert werden. Die digitale Infrastruktur Europas ist dadurch verwundbar.

GitHub schlägt vor, den deutschen Sovereign Tech Fund zu einem gesamteuropäischen Modell auszubauen. Dieser Fonds hat bereits Initiativen im GNOME-Projekt unterstützt, etwa bei Barrierefreiheit und Datenschutz. Eine EU-weite Variante könnte gezielt kritische Komponenten finanzieren.

Als Startbudget nennt GitHub 350 Millionen Euro aus dem EU-Haushalt 2028 bis 2035. Mit dem Geld sollen Wartung, Sicherheit und Weiterentwicklung wichtiger Softwarekomponenten gewährleistet werden. Auch soll das Open Source Ökosystem in Europa gestärkt werden.

Dafür wäre entweder eine neue zentrale Institution notwendig oder ein Zusammenschluss einzelner Mitgliedstaaten. Der Fonds soll nicht wahllos Projekte finanzieren, sondern gezielt die Bausteine fördern, auf denen digitale Infrastrukturen aufbauen.

Kritik gibt es dennoch: Einige Stimmen befürchten, dass große Tech-Konzerne wie Microsoft damit öffentliche Verantwortung auf die Allgemeinheit abwälzen. Denn diese Firmen profitieren stark von kostenloser Software, tragen aber selten direkt zur Finanzierung bei.

GitHub kündigt Gespräche mit EU-Vertretern an, um das Projekt voranzubringen. Klar ist: Wenn Europa digitale Souveränität will, braucht es auch einen soliden Plan zur Finanzierung der Werkzeuge, auf denen alles aufbaut.

3 Antworten zu „Kritische Software, kein Budget – Europas Open Source Problem“

  1. Alfons Wuttke

    Abgabe per Internetanschluß. Wer viel Traffic hat zahlt mehr. Grenze so legen, das Privatpersonen nicht betroffen sind. Wer zahlt bestimmt auch über einen Teil der Förderprojekte mit.

  2. AH

    > Einige Stimmen befürchten, dass große Tech-Konzerne wie Microsoft damit öffentliche Verantwortung auf die Allgemeinheit abwälzen. Denn diese Firmen profitieren stark von kostenloser Software, tragen aber selten direkt zur Finanzierung bei.

    Ich halte zwar nichts von dem Laden, aber gerade zu Microsoft liest man in den letzten Jahren doch immer häufiger davon, wie die OSS unterstützen. – Nicht zuletzt die Entdeckung der xz-Backdoor durch einen MS Mitarbeiter.

    Von Google kommt viel, von Facebook z. B. zStd, usw.

    Anders als z. B. von Apple.

  3. Helga

    > Ich halte zwar nichts von dem Laden, aber gerade zu Microsoft liest man in den letzten Jahren doch immer häufiger davon, wie die OSS unterstützen. – Nicht zuletzt die Entdeckung der xz-Backdoor durch einen MS Mitarbeiter.

    Die machen das doch nur so lange, wie es ihnen selbst weiterhilft. Wenn die halbe Welt sich nun von MS-Produkten lossagt, wird Microsoft sicherlich irgendwann umdenken. Und ob, es dann Github in der Form überhaupt so weitergeben wird, frag ich mich auch, immerhin gehört es auch zu Microsoft.

    Dass der Mann zufälligerweise bei Microsoft arbeitete, sagt ja mMn auch nichts darüber, dass die Firma sich für OSS einsetzt.

    Und bei FOSS bei Google und Co. schwingt auch immer was mit, bei all den genannten ist man einfach immer Produkt und nicht Kunde.

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